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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Zwischenspiele
Ragnar Starkardsson Offline




Beiträge: 789

08.02.2018 21:44
Geoffrey Price - Tagebuch antworten

Folgend die Aufzeichnungen die ich über die letzten drei Spielabende erstellt und etwas ausformuliert habe.
Ich drucke es zwar auch gerade aus, doch sollte etwas nicht passen, lasst es mich bitte wissen, dann korrigiere ich es natürlich.

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- Ragnar Starkardsson -

Ragnar Starkardsson Offline




Beiträge: 789

08.02.2018 21:45
#2 RE: Geoffrey Price - Tagebuch antworten

Gemeinsam fuhren wir zu dem Gebäude in dem der Privatdetektiv, Mr. Tugg, sein Büro hatte. Das Haus war deutlich heruntergekommen, innen wie außen. Auch der Privatdetektiv selbst hatte wohl schon bessere Zeiten gesehen. Der überaus korpulente Mann öffnete auf unser Klopfen die Tür und nachdem wir das Büro betreten hatten mussten wir feststellen dass auch diese Räume in einem sehr desolaten Zustand waren. In dem Raum roch es muffig und eine halbvolle Flasche Bourbon lieferte uns wortlos Erklärungen.
Wir begannen unsere Fragen zu stellen doch Tugg wehrte zunächst ab und schob Vertraulichkeit seines Berufsstandes und den Schutz seiner Klienten vor. Als er sich weiterhin wenig kompromissbereit gab ging ich langsam zur Tür und verriegelte das Schloss. Mr. Tugg blickte mich daraufhin verwundert an und als Ms. Lockhardt Ihre Pistole zog um ihm Worte zu entlocken wurde er wohl vollends nervös. Wir bemerkten dass seine Hand unter den Tisch glitt und wir vermuteten dass er nun seinerseits nach einem Revolver oder einer Pistole griff.
Glücklicherweise gelang es Mr. Rosenblatt die Situation etwas zu entschärfen und er einigte sich mit Mr. Tugg darauf, dass der Schutz seiner Klienten wohl nicht schwerer als 40 Pfund wog, die wir gemeinsam zusammenlegten und somit die nun folgende Auskunft von Mr. Tugg erkauften.
Nach Tuggs Schilderung wurde er von Robby engagiert um Alexander zu beschatten. Während seiner dreiwöchigen Observation stellte er fest, dass sich Alexander häufig mit drei weiteren Männern traf und mit Ihnen recht viel Zeit in Bacons Haus verbracht haben, wo das Licht häufig bis tief in die Nacht brannte. Die anderen Männer waren:
- Mr. Bacon
- Mr. Malcom Query
- Mr. Edwards
Eines Nachts gegen 3:00 Uhr, verließ Bacon das Haus in dem sich die Männer trafen und ging über die Liverpool Road nach Norden. Dort näherte sich Bacon einem auf einer Bank nächtigenden Landstreicher. Er stellte sich vor ihn, erhob seine Arme und blickte starr auf den schlafenden Mann. Gleichzeitig war aus undefinierter Richtung ein schriller, pfeifender Ton zu hören in den sich gleich die Schreie des Landstreichers mischte, der sich nun unter offensichtlichen Höllenqualen wand, während Bacon weiterhin, und ohne den nun schreienden Mann zu berühren, mit erhobenen Händen vor ihm stand. Wenige Augenblicke später verstummte der Landstreicher, der schrille Ton mit unbekanntem Ursprung verschwand und Bacon entfernte sich von dem Mann.
Tugg berichtete weiter dass er, nachdem Bacon außer Sichtweite war, sich dem Landstreicher näherte und dessen Tod feststellte. Das Gesicht des Landstreichers war laut Tuggs Schilderung im Tode schreckensverzerrt.
Wir beschlossen, nachdem wir Tugg verlassen hatten, uns Auskünfte über die drei Männer, mit denen sich Alexander regelmäßig traf, einzuholen. Zuerst versuchten wir etwas über Malcom Query in Erfahrung zu bringen, der zu der Zeit an der Royal Society angestellt war. Dort jedoch konnten wir nur in Erfahrung bringen dass Query seit längerer Zeit nicht mehr in dem Haus beschäftigt war und mit unbekanntem Ziel in das Ausland verzogen war. Unsere nächste Spur führte uns in das Apartment-Hotel in dem Edwards wohnhaft war, doch nach der langen vergangenen Zeit konnte uns dort ebenfalls nur mitgeteilt werden dass Edwards nicht mehr dort wohne und sein neuer Wohnort unbekannt sei.
Da sich die beiden Spuren nun als kalt herausgestellt hatten lag es nahe dass wir uns nun endlich mit Mrs. Morrison trafen, die auf das von Mr. Rosenblatt eingefädelte Treffen nicht erschienen war. So fuhren wir also zu ihrer Privatadresse und noch vor der Haustür vernahmen wir dass es in dem Haus zu einem heftigen Disput gekommen sein musste. Ein Mann, bei dem es sich um Mr. Morrison handelte, schrie ungezügelt seinen Zorn heraus während die Stimme von Mrs. Morrison von ängstlicher Natur war, was uns dazu veranlasste schnell zu handeln bevor schlimmeres geschehen würde. Mr. Rosenblatt fasste sich ein Herz und läutete die Türklingel woraufhin kurz darauf ein wutschnaubender Mann uns die Türe öffnete.
Mr. Rosenblatt versuchte einen Dialog aufzubauen was jedoch gründlich misslang, so dass die kurze Konversation in ein Handgemenge ausartete, in dem Mr. Rosenblatt und ich selbst den Zorn von Mr. Morrison zu spüren bekamen. Rosenblatt und ich erlitten Verletzungen durch Faustschläge, von denen sich Mr. Morrison nicht einmal durch versuchte Einschüchterungen meinerseits abbringen ließ. In diesem Zuge wurde mir mein Nasenbein angebrochen und Blut lief mir aus der Nase heraus. Ein beherzter Schuss von Ms. Lockhart in den Fuß des Berserkers stoppte ihn letztendlich in seinem Toben und es war uns möglich Mrs. Morrison am nun verletzten Mr. Morrison vorbei aus dem Haus zu holen.

Bedauerlicherweise wurde durch den Lärm die umliegende Nachbarschaft alarmiert, so dass es nur noch eine Frage der Zeit sein konnte bis die Polizei an Ort und Stelle sein würde. Wir stoppten ein zum Glück herannahendes Taxi und ließen uns von diesem in das Apartment von Ms. Lockhart fahren.

Rosenblatt suchte das Gespräch mit Mrs. Morrison und sie öffnete sich ihm glücklicherweise ein Stück weit, so dass wir ein paar interessante Details von ihr erfahren konnten. So lernte Mrs. Morrison Alexander Robby im Mai 1925 kennen. Er verfasste einen Lyrikband namens „Wanderer am See“, welchen sie gelesen hatte und der sich noch immer in ihrem Besitz befand. Weiterhin schilderte sie uns, dass sie und Alexander das gemeinsame Interesse am Okkultismus verband, was für eine Weile auch kein Problem für das Paar darstellte. Später jedoch, so berichtete Mr. Morrison, veränderte sich Alexander Robby und er vollzog merkwürdige Anwandlungen. So wurden seine Launen im November 1925 schier unerträglich und sie trennte sich daraufhin von ihm. Weiter wusste sie zu berichten dass Alexander und die Gruppe in der er sich bewegte, etwas Merkwürdiges für den 25. Dezember vorhatten Offenbar sollte etwas im Ort Clare Melford in Suffolk, auf einem dortigen Hügel “durchgeführt“ werden.
Dass Alexanders Eltern verstorben waren war ihr wohl bekannt. Dass an den Leichen Spuren eines Angriffes mit einem Beil gefunden wurden und dies Alexander zugeschrieben wurde zweifelte sie deutlichst an, da sie Alexander solch eine Tat niemals zutrauen würde.

Auf unser Anraten die heimische Wohnung schleunigst zu verlassen um dem wohl sicherlich ausgewucherten Zorn ihres Mannes zu entgehen entschloss sich Mrs. Morrison zu Ihrer Mutter zu fahren. Es schien uns als das sicherste dass Mrs. Morrison Ihr nötigstes Hab und Gut aus der Wohnung holte solange Ihr Mann zur Versorgung seiner Schusswunde im Hospital verblieb. Die Novelle „Wanderer am See“ benötigte sie nicht mehr, wie eine Rückfrage an sie ergab. Ms. Lockhart nahm sich des Buches an und las die 96 Seiten aufmerksam durch, nachdem Mrs. Morrison Ihre habe abholte, uns das Buch überließ und dann zu ihrer Mutter fuhr.
Ms. Lockhart konnte eine Weile nicht die Nase aus dem Buch lassen und zeigte sich regelrecht vernarrt in die Texte. Nur auf direkte Aufforderung gelang es mir sie dazu zu bewegen das Buch beiseite zu legen da sie bereits begonnen hatte es erneut zu lesen. Auffällig waren die immer wieder anzutreffenden teilweise deutschen Anmerkungen die handschriftlich in die Seiten geschrieben wurden.

Wir beschlossen nun zur weiteren Erkundung des Mysteriums am folgenden Tag nach Suffolk zu fahren um uns in dem Ort Clare Melford nach weiteren Informationen zu erkundigen. Eine Abreise am gleichen Tag war nicht mehr möglich, da es nur eine einzige Direktverbindung für die fünfundsiebzig Minuten lange Zugstrecke am Tag gab und der Zug für den heutigen bereits abgefahren war. So ruhten wir an diesem Abend noch eine Weile und ich kühlte mir weiterhin mein arg geschundenes Nasenbein. Ein Blick aus dem Fenster offenbarte uns weiterhin anhaltenden Regenfall und heftige Gewitter, wie es in Südengland zu dieser Jahreszeit üblich war. Sicherlich würde dieses Wetter auch während der nächsten Tage anhalten.

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Ragnar Starkardsson Offline




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08.02.2018 21:46
#3 RE: Geoffrey Price - Tagebuch antworten

01. November 1928

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Morgen des 1. Novembers richteten wir unser Reisegepäck und begaben uns des Nachmittags an den Bahnhof um 17:45 Uhr mit dem Zug in den Norden nach Suffolk zu fahren. Die Fahrt verlief ereignislos und fand ihr pünktliches Ende gegen 19:00 Uhr abends im verschlafenen Ort Clare Melford. Ein kleines Dorf mit schätzungsweise höchstens einhundert Einwohnern und einem kleinen Pub namens „Railway“, das unweit des Bahnsteiges zu finden war. Da die frühe Dunkelheit und das schlechte Wetter keine größer angelegten Investigationen zuließen führe uns unser Weg zuallererst in den Pub um dort ein Abendessen zu uns zu nehmen und um eine Unterkunft zu bitten. Das Glück war mit uns und wir konnten noch ein paar Zimmer für unsere kleine Gesellschaft für die Nacht mieten.

Während des Essens berichtete uns Ms. Lockhart von Ihrem Traum, der sich wohl zumindest von der Örtlichkeit gut hätte hier in dieser abgelegenen Gegend ereignen können.
Im Pub versuchte ich ein wenig mit einem der Einheimischen ins Gespräch zu kommen was mir auch weitestgehend gelang. Ich erkundigte mich nach örtlichen Sehenswürdigkeiten, besonderen Hügeln, Gewässern oder Hügelgräbern die mit Monolithen gekennzeichnet gewesen sein könnten. Hierauf wusste mir der Dorfbewohner jedoch leider nichts zu berichten. Auf meine Frage nach besonderen Vorkommnissen hatte er dann doch etwas zu erzählen. So wusste er von einer Ausgrabung am Springers Mount, der sich nördlich des Dorfes befand. Ein gewisser Mr. Jennings war der Eigentümer des Hügels und erwies sich wohl als problematisch und eigenbrötlerisch. Möglicherweise würde es sich noch lohnen zu Mr. Jennings und den Ausgrabungen weitere Informationen einzuholen.

Weiter wusste der Dorfbewohner von fünf merkwürdigen Todesfällen zu berichten, die sich vor einer ganzen Weile im Dorf zugetragen hatten. So waren in einer einzigen Nacht vier ältere und weit über sechzig Jahre alte Männer sowie ein Kind in einer einzigen Nacht während der Tage des Jahreswechsels 1925/1926 tot aufgefunden. Offenbar erlagen alle einem vermuteten Herzinfarkt, denn alle Toten wiesen keinerlei Wunden auf. Ein anderer Gast wies meinen Gesprächspartner zum Schweigen und ermahnte ihn nun endlich nach Hause zu gehen, wodurch diese Informationsquelle nun leider versiegte.
Ms. Kelly schlussfolgerte, dass Alexander sich mit drei weiteren Personen in diesem Ort hätte einfinden wollen und das bei einem hypothetischen Ritual diese vier Alten und das Kind als Opfer hätten dienen können, wobei sich der Sinn und Zweck des fünften Opfers zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschloss.

Wir wagten es nicht noch einen weiteren Pubgast dahingehend zu befragen und entschlossen uns den hiesigen Friedhof aufzusuchen um möglicherweise weitere Informationen über die fünf Toten, über die uns berichtet wurde, kundig werden zu können. Mr. Wolf entschied sich nicht mehr dem englischen Wetter auszusetzen und blieb im Pub, während alle anderen mit einer Lampe, die wir freundlicherweise vom Pubbesitzer geliehen bekamen, uns durch den Regen auf den Weg zum Friedhof begaben. Da das Dorf recht überschaubar war fiel es uns nicht schwer den Friedhof mit der dazugehörigen Kapelle ausfindig zu machen und tatsächlich konnten wir fünf Grabsteine Verstorbener finden, die ihr Leben in einer einzigen Nacht während des Jahreswechsels 1925/1926, verloren.

Nun kam es unerwarteter Weise zu einem Disput in dem Rosenblatt Ms. Lockhart, Ms. Kelly und mich dazu aufforderte nun endlich die Wahrheit zu akzeptieren. Wir dreie begannen uns ob der kryptischen Andeutungen Rosenblatts zu ärgern und forderten ihn auf uns an der Weisheit, derer er offenbar kundig wurde, teilhaben zu lassen, wohl in der Hoffnung dass uns dies bei unseren Nachforschungen von Vorteil sein könne. Rosenblatt erwiderte uns jedoch lediglich, dass wir diese Wahrheit offenbar nicht sehen wollten und daher auch noch nicht bereit für diese seien.
Hier trennten sich unsere Wege für diesen Abend und wir gingen missmutig zurück in den Pub, in dem wir die Nacht verbringen sollten.

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Ragnar Starkardsson Offline




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08.02.2018 21:47
#4 RE: Geoffrey Price - Tagebuch antworten

02. November 1928

Am frühen Morgen des zweiten November trafen wir uns nach einer mehr oder minder ruhigen Nacht im Gastraum des Pubs wieder. Die Diskussion des Vorabends lag uns weiterhin schwer auf den Gemütern und so aßen wir schweigsamer als sonst unser Frühstück, das uns der Wirt namens Dick Blair aufgetischt hatte. Mit wenigen, dafür aber etwas verbissenen Worten beratschlagten wir uns nach dem Frühstück wie wir nun weiter vorangehen sollten. Glücklicherweise gelang es uns schnell darauf zu einigen, dass wir dem nahegelegenen Hügel, auf dem die besagte Ausgrabungsstätte zu finden sei, einen Besuch abzustatten.

So führte uns, nachdem wir etwas Marschgepäck zusammengesucht hatten, der Weg aus dem Dorf hinaus. Ein gutes Stück außerhalb des Dorfes bemerkten wir einen Trampelpfad, der links von unserem Weg abging und zu einem kleinen Ulmenwäldchen führte, das sich unweit des Weges befand. Wir beschlossen dass wir uns das Wäldchen etwas näher ansehen sollten und gingen gemeinsam auf dem Trampelpfad hin zu dem Wäldchen. Es waren Ms. Lockhardt und Mr. Rosenblatt die irgendwann zwischen den Bäumen merkwürdig niedergedrücktes Gestrüpp erkennen konnten. Es wirkte gar, als sei vor einer Weile etwas Schweres über den Bewuchs hinweggezogen worden. Doch auch wenn es mehrere Jahre her zu sein scheint, so erholten sich die Pflanzen nicht zur Gänze von der Krafteinwirkung.

Ms. Kelly erkannte, dass eine regelrechte Schneise zu erkennen war, die hin zu einem felsigen Areal führte, das am Fuße eines Hügels lag, den wir bereits durch die Bäume erkennen konnten. Dies weckte doch unser Interesse und wir gingen vorsichtig durch den Bewuchs die Schneise entlang. Am Fuße des Hügels angekommen erkannten wir das zwischen einzelnen wenigen Felsbrocken riesige Monolithen auf dem Boden lagen. Allesamt lagen flach auf der Erde, also nicht aufgerichtet wie man es vielleicht von den Menhiren Südenglands bei Stonehenge, oder bei den Dolmengräbern in Nordwest-Frankreich vorfinden konnte. Insgesamt konnten wir 8 Monolithen ausmachen und jeder wies eine Länge von etwa 3 Metern auf. Die Oberfläche war vollkommen glatt und wohl in diese Form geschliffen. Am oberen Ende liefen die Objekte in eine Art Pyramidenspitze aus. Die Oberfläche aller Monolithen war mit Gravuren, die Inschriften darstellten, übersät. Ms. Kelly und Ms. Lockhardt machten sich sogleich daran zu prüfen ob sich die Inschriften lesen ließen, was wohl der Fall war. Leider teilten sie mir zu diesem Zeitpunkt nicht den Inhalt mit, so dass ich mich außerstande sehe, die Bedeutung der Gravuren hier in meinen Aufzeichnungen wiederzugeben.

Hundegebell riss uns allesamt aus den Gedanken über diese höchst merkwürdigen Objekte. Eilig zogen wir uns von den Monolithen wieder in das Ulmenwäldchen zurück um uns vor neugierigen Blicken in Deckung zu bringen. Mit Erstaunen mussten wir feststellen, dass Mr. Wolf und Mr. Rosenblatt bei den Monolithen geblieben und offenbar darauf erpicht waren zu sehen wer denn da nun ankommen möge. Ich möchte an dieser Stelle vermerken dass ich nicht einzuschätzen vermag ob es sich hierbei um Mut oder Übermut handelte der die beiden dazu veranlasste sich nicht in Deckung zu begeben. Als jemand der an der Front diente ist mir der Gedanke, mich und meine Kameraden bei einer möglichen Bedrohung nicht schnellstmöglich in Deckung zu begeben, völlig fremd. Doch ich schweife ab und meine Kriegserinnerungen sollen keinen Platz in diesen Notizen haben.

Nun waren Ms. Kelly, Ms. Lockhardt und ich in der relativen Deckung des Wäldchens, das uns zwar einigermaßen vor fremden Blicken, aber wohl sicherlich nicht vor den feinen Nasen der Hunde, deren Gebell wir vernahmen, zu schützen vermochte. Sicherheitshalber nahm ich mein Gewehr von der Schulter, prüfte ob ich ausreichend Kugeln im Magazin hatte, entsicherte es aber legte noch nicht an.
Nun konnten wir auch die Rufe eines Fremden Mannes vernehmen, der mit einer Flinte bewaffnet und von seinen Hunden begleitet den Hügel hinab kam. Hierbei wetterte er wild gegen uns und forderte uns dringlichst und in höchst ungehobeltem Tonfall dazu auf die Monolithen von seinem Grund zu entfernen. Offenbar nahm er aufgrund unseres gesteigerten Interesses an den Steinen, dass wir zu jenen gehörten die sie hierherbrachten. In seiner Wut schrie er uns entgegen, dass er wohl anderen die Erlaubnis gab die Steine (sicherlich gegen ein ausreichendes Entgelt) auf seinem Feld aufzustellen, doch als kurz darauf sein Feld verdarb wies er an dass man die Steine schleunigst wieder zu entfernen und von seinem Grund und Boden zu schaffen hatte. So wurden die Monolithen an ihren jetzigen Lagerort geschleift, wo sie bis zum heutigen Tag lagen.

Der Mann musste vor Wut außer sich gewesen sein und so gab er wohl einen Warnschuss zur Bekräftigung seines Anliegens ab, der Wolf und Rosenblatt zum Glück weit verfehlte. Dafür traf die Kugel jedoch einen der herumliegenden Monolithen. Leider war es mir nicht möglich aus meiner Position heraus zu erkennen ob das getroffene Objekt Schaden von dem Treffer davontrug. Unsere, Aufmerksamkeit, wie auch die des wütenden Mannes wurde jäh in Richtung des Himmels gelenkt, als unvermittelt ein grauenvoller Schrei von dort zu vernehmen war. Ein Blick nach oben verriet uns, dass etwas merkwürdiges Schwarzes aus den Wolken in unsere Richtung herabstieß und Rosenblatt uns laut dazu aufforderte uns in Deckung zu begeben. Es war nicht wirklich zu erkennen um was es sich dabei handelte, doch meinte ich dunkle Schwingen ausmachen zu können. Der Schrei hielt an und ob dieses grauenhaften Ungetüms das sich rasend schnell dem Erdboden nährte, wie auch der Aufforderung Rosenblatts, rannten wir tiefer in das Wäldchen hinein. Rosenblatt und Wolf, so konnte ich im Rennen erkennen, taten es uns gleich und liefen in den angenommenen Schutz der Bäume. Ein menschlicher Schrei drang an unsere Ohren, und ich wusste bereits jetzt dass es sich um den Schrei des Mannes, den ich mittlerweile als Mr. Jennings vermutete, handeln musste. Abrupt wurde der Schrei durch ein grauenhaftes Geräusch abgelöst, bei dem ich mir nicht einmal vorzustellen mochte woher es stammte. Durch die Baumkronen hindurch konnten wir sehen wie Jennings von dem schwarzen Ungetüm emporgehoben und in zwei Teile gerissen wurde. Weit hinter uns hörten wir wie die Teile seines Körpers auf dem Boden aufschlugen, wonach schlagartig Stille eintrat.

Nachdem wir uns vergewisserten dass das Ungetüm fort war wagten wir uns wieder aus dem Wäldchen hinaus auf die Lichtung auf der die Monolithen lagen. Wir sahen uns mit einem grauenhaften Anblick konfrontiert. Die Körperteile und Gedärme von Jennings lagen wild über die Lichtung verteilt. Von den Hunden fehlte jede Spur. Vermutlich hatten diese schnellstmöglich das Weite gesucht als sie dessen gewahr wurden was da auf sie zukam.
Erst jetzt bemerkten wir, dass Rosenblatt uns ohne Zögern zur Flucht aufforderte, so als ob er wusste, um was es sich bei dem Ungetüm das den armen Jennings so zurichtete, gehandelt hatte. Wir sprachen ihn darauf an, doch er hielt sich weiterhin verschlossen, ganz so als fürchte er sich davor uns zu sagen was er wüsste. Mr. Wolf blickte in den Himmel und wies uns mitleicht zitterndem Finger unsere Blicke ebenfalls nach oben zu richten. Dort oben, noch über den Wolken, sahen wir zwei dunkle Punkte einander umkreisen. Sofort wurde uns klar, dass die Kreatur nicht etwa fort war, wie wir es zuerst vermuteten. Vielmehr kreiste sie weiter in großer Höhe über die Lichtung und als ob dies nicht schrecklich genug wäre, so schien die Kreatur nicht alleine zu sein. Der Anblick verriet dass wohl noch eine zweite jener Kreaturen dort oben ihre Bahnen zog und uns möglicherweis ein diesem Augenblick mit adlerscharfem Blick beobachtete.

Wir entschlossen uns die Lichtung zu verlassen und uns nach Möglichkeit dem Blick der Kreaturen schnellstmöglich zu entziehen. Ich vermag mir nicht vorzustellen was geschehen wäre, hätte einer dieser Kreaturen einen zweiten Angriff gewagt. Wir gingen schnellen Schrittes den Hügel hinauf, doch Wolf hielt kurz inne und dachte laut darüber nach was wohl geschähe wenn wir die Monolithen gesprengt hätten. Schnell wurde er von den Anwesenden darauf hingewiesen dass ein unabsichtlicher Treffer aus Jennings Flinte bereits einen Angriff der Kreatur provozierte und dass nicht auszudenken war was wohl geschähe hätten wir einen der Steine gar gesprengt. Wolf ließ zu meiner Beruhigung daraufhin von diesem Gedanken ab und folgte uns weiter den Hügel hinauf. Während des Aufstiegs war ich selbstverständlich jederzeit bereit mein noch immer geladenes und entsichertes Gewehr in Anschlag zu bringen, so denn es eine Situation erforderlich machen sollte.

Oben auf dem Hügel angekommen vernahmen wir einen stark fauligen Geruch der mich fast würgen ließ. Ms. Lockhardt merkte an dass sie diesen widerlichen Geruch aus ihrem Traum kannte und nun somit beunruhigend real wirkte. Wir verschafften uns einen Überblick über das Areal. Neben einem Haus, das unschwer als Hof mit angrenzender Scheune zu erkennen war, fanden wir eben jene Stellen an denen vor geraumer Zeit die Monolithen standen. Dies konnten wir an den neun kreisförmig angeordneten Vertiefungen erkennen, welche die Monolithen im Boden hinterlassen hatten. Erstaunlich dass diese Vertiefungen nach den Jahren noch immer so deutlich zu erkennen waren, so sollte man doch annehmen dass das englische Wetter die Vertiefungen bereits mit Regen und Wind unkenntlich gemacht haben sollte. Rings um die Vertiefungen war der Boden dünn mit einer merkwürdigen und unheilvoll wirkenden schwarzen Masse bedeckt. Nun, da ich diese Zeilen niederschreibe wird mir erst gewahr, dass es sich zwar um neun Vertiefungen handelte, auf der Lichtung jedoch nur acht Monolithen zu finden waren. Hatten wir etwas übersehen?

Nachdem wir aus der merkwürdigen schwarzen Masse die den Boden bei den Aufstellplätzen bedeckte keine neuen Erkenntnisse gewinnen konnten begannen wir uns im Haus umzusehen. Anhand der Bilder war es nun eindeutig dass der Mann, der uns vorhin am Fuße des Hügels begegnete und der auf so grauenhafte Weise sein Ende fand, tatsächlich der Besitzer des Hofs war und es sich eindeutig um jenen Jennings handelte, vor dessen verschrobener Art man uns noch am Vorabend im örtlichen Pub gewarnt hatte. Ansonsten konnten wir im Haus nichts Besonderes entdecken. Offenbar lebte der Mann seit längeren alleine mit seinen Hunden auf dem Hof. Ein Blick in die Scheune verriet uns jedoch, dass Jennings sich wohl vor nicht allzu langer Zeit einen neuen Traktor angeschafft hatte. Die Maschine, die in der Scheune stand war sicherlich nicht günstig und wir vermuteten dass sie von dem Geld angeschafft wurde, das Jennings von jener Gruppe erhielt, welche auch die Monolithen auf seinem Feld aufstellten und höchstwahrscheinlich als Obolus eben dafür dass sie die Steine dort aufstellen durften. Merkwürdig, denn bei der Vorgehensweise von Bacon und seinen Getreuen hätte ich nicht angenommen dass sie jemanden zurücklassen würden, der sie im Ernstfall hätte sie identifizieren können, ja Geschweige denn ihn sogar dafür bezahlen dass sie ihr merkwürdiges Werk auf dem Feld vollbringen konnten. Nun, der arme Jennings konnte uns darüber bedauerlicherweise keine Auskunft mehr geben.

Als Rosenblatt des Treckers ansichtig wurde brachte er seine Überlegung, man sollte die Steine möglicherweise wieder an der ihnen angestammten Stelle erneut aufstellen an, doch alle anderen weiterten sich vehement. Zu groß schien die Gefahr die auf uns lauerte. Niemand wusste wie die beiden Kreaturen, welche sicherlich noch immer weit über unseren Köpfen kreisten, auf solch eine Aktion reagierten oder was vielleicht noch anderes geschehen mochte wenn die Steine erst wieder an ihren Plätzen standen. Bevor ich selbst einer solch wahnsinnigen Idee zustimmen würde, müsste ich zuerst mehr darüber erfahren welchem Zweck diese Monolithen gedient hatten und wie man sie anwendete, denn ich ging nicht davon aus dass es mit einem bloßen Aufstellen der Objekte getan sei.

Zurück im Haus des toten Jennings überlegten wir wie wir nun weiter vorzugehen gedachten. Da erinnerte ich mich daran dass sich der Band „Der Wanderer am See“ noch in unserem Beitz befand und dass Mr. Wolf bereits damit begonnen hatte diesen zu studieren. Möglicherweise wies uns eine Testpassage darauf hin, wie wir nun fortfahren sollten und tatsächlich regte uns die Lektüre, die Bacon verfasst hatte, zu neuen Gedanken an.
Wir vermuteten dass „Der Wanderer am See“ die Stadt Carcosa beschreibt und Ms. Lockhardt das Wasser des Sees roch, an dem Carcosa liegen soll. Es ist ein beunruhigender Gedanke dass eine Stadt an einem See liegen sollte, der so ekelerregend roch wie es die Felder vor dem Hof in diesem Augenblick taten. Eine weitere Frage, die wir uns stellten, war, ob denn Carcosa auf dem Stern Aldebaran lag und ob Bacon, in dem er „Der Wanderer am See“ schrieb, seine Sehnsucht und sein Verlangen nach der Stadt Carcosa zum Ausdruck brachte.

Statt Antworten kamen uns nur neue Fragen in den Sinn. War das Ritual, das offensichtlich vor Jahren auf dem Feld dieses Hofes stattfand überhaupt erfolgreich? Waren Bacon und seine Getreuen nicht noch hier? Waren die anderen Männer, außer Bacon, wirklich unbekannt verzogen oder suchten Sie möglicherweise nach weiteren Objekten oder Materialien um das Ritual schlussendlich zum Erfolg zu bringen? Fragen die wir derzeit zu keiner Antwort bringen konnten. Eine weitere Frage, die uns beschäftigte war jene darüber, wer wohl die Monolithen hergestellt haben könnte und wir entschlossen uns etwas mehr über diese merkwürdigen steinernen Objekte in Erfahrung zu bringen. Wohl wissend, dass diese offenbar unter dem Schutz jener grauenhaften und nur schwer zu beschreibenden Kreaturen standen. Im Nachgang erschien es mir schon damals, und auch am heutigen Tage, unmöglich eine genaue Beschreibung der Kreaturen abzugeben. Es war als ob sich diese Wesen dagegen verwehrten in Gänze wahrgenommen zu werden.

Bevor wir uns aber jenen Nachforschungen hinsichtlich der Monolithen widmeten musste etwas mit Jennings Leiche geschehen. Diese konnten wir unmöglich und in diesem Zustand offen auf der Lichtung liegen lassen. Nicht nur dass es Fragen bei möglichen Spaziergängern oder Anwohnern gegeben hätte (immerhin hatten wir uns erst am Vorabend nach Jennings Grundstück erkundigt), es geziemte sich auch in meinen Augen nicht den Mann der ein so schreckliches Ende fand einfach den Tieren der Umgebung auszusetzen. Rosenblatt gedachte daran dass es wohl das Beste sei wenn man die sterblichen Überreste in der Latrine des Hofs entsorgen würde. Dies würde eine Entdeckung der Leiche sicherlich nahezu unmöglich werden lassen, doch wurde mir bei dem Gedanken einen Mann auf diese Weise zu seiner letzten Ruhe zu legen speiübel. So entschieden wir uns dazu seinen Leichnam auf der vom Dorf abgewandten Seite des Hügels würdevoll und auf seinem eigenen Grund und Boden zu bestatten. Auf einen Grabstein würde der alte Jennings jedoch leider verzichten müssen. Mit Hilfe einer Schaufel und einer Schubkarre, mit der wir die Teile des Leichnams transportierten, brachten Ms. Kelly, Mr. Wolf und ich selbst Jennings an seine letzte Ruhestätte und begruben ihn dort. Mr. Rosenblatt und Ms. Lockhardt untersuchten währenddessen die Monolithen weiter.

Durch die Bestattung und die Arbeiten im feuchten Erdreich wurde unsere Kleidung stark verschmutzt. Um im Dorf bei unserer Rückkehr kein Aufsehen zu erregen und die Dorfbewohner nicht zu gefährlichen Gedanken wie auch unangenehme Fragen zu motivieren, entschlossen wir uns dazu im Wohnhaus des Hofes unsere Kleidung zu waschen und zu trocknen. Während wir darauf warteten dass unsere Kleidung trocknete gönnten wir es uns, uns selbst ausgiebig zu waschen.

Spät am Abend machten wir uns auf den Weg zurück in den Pub. Rosenblatt musste wohl bereits vorausgegangen sein, denn er erwartete uns bereits im Gastraum. Doch statt uns zu ihm zu gesellen gingen wir, erschöpft wie wir waren, sogleich in unsere Zimmer und begaben uns zur Nachtruhe, und so dauerte es nicht lange dass ich trotz der obskuren Ereignisse dieses Tages, rasch in den Schlaf fand, der leider nicht so lange dauern sollte, wie ich es gehofft hatte.

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08.02.2018 21:48
#5 RE: Geoffrey Price - Tagebuch antworten

Nacht des 03. November 1928

In den frühesten Morgenstunden des dritten November wachte ich durch einen enormen Lärm auf, der über den Flur und durch die verschlossene Tür bis in mein Zimmer drang. Instinktiv griff ich zu meinem Gewehr und entsicherte es ohne darüber nachzudenken, so wie ich es bei der Royal Army gelernt und hunderte Male angewendet hatte. Nur mit meinem Nachthemd bekleidet und ohne Schuhe betrat ich den Flur und vernahm die Quelle des Lärms aus den Privaträumen des Wirtes, die auch auf dem gleichen Flur lagen wie die Gästezimmer die ich und meine Begleiter bezogen hatten. Zwischen dem Gerumpel und Krachen war deutlich auch das Bersten von Holz und Schreie zu vernehmen, weswegen ich annahm dass der Wirt möglicherweise überfallen wurde. An das pfeifende Geräusch, das noch zu hören war bevor der Höhepunkt des Lärms erreicht war, erinnerte ich mich erst später, waren doch alle meine Sinne auf die noch vor mir liegende verschlossene Tür gerichtet.

Um den vermeintlichen Schurken zu überraschen und mir dadurch einen Vorteil zu verschaffen, trat ich die vor mir liegende Tür ein und erstarrte augenblicklich, denn auf den sich mir nun darbietenden Anblick war ich nicht vorbereitet. In der Außenmauer klaffte ein gewaltiges Loch, Boden und Wände waren voller Blut und inmitten des Raumes befand sich eine wild windende schwarze Masse die ich ob des unzureichenden Lichtes nicht sofort zu deuten wusste, nach einem Augenblick des um Fassung ringens jedoch als eine jener Kreaturen erkannte, die wir am Vortag am Himmel über den Monolithen kreisen sahen und von denen eine den armen Jennings getötet hatte. Nun befand sich eine der Kreaturen hier direkt vor mir und ehe ich mich versah und einen Schuss auf diese Monstrosität abgeben konnte entfloh diese aus dem Loch in der Wand, durch das es wohl den Raum auch erst betreten konnte.

Bedrückende Stille erfüllte den Raum. Erst jetzt konnte ich Details erkennen, an die ich mich nun nur noch wiederwillig und voller Abscheu erinnere. Auf dem Boden lag in einer riesigen Blutlache der Unterleib eines Mannes, von dem wir annahmen dass es sich um den Wirt Dick Blair handeln musste, da dies seine privaten Räume waren. Sein Oberkörper war nicht auffindbar und ich wage nicht daran zu denken was diese Kreatur damit angerichtet hatte. Von außerhalb des Gebäudes ließen sich Rufe vernehmen, die nun die bedrückende Stille unterbrachen. Mit noch angelegtem Gewehr ging ich näher zu dem klaffenden Loch in der Wand und blickte hinaus, während hinter mir Mr. Wolf das Zimmer betrat und sich mit entsetztem Blick umsah. Mein Blick nach draußen offenbarte mir, dass es sich bei dem Rufenden um Mr. Rosenblatt handelte. Es war deutlich an seinem Gang und seiner Aussprache zu erkennen dass er wohl dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatte, nun wie ein halb Irrer auf der Straße krakeelte und das halbe Dorf auf die Geschehnisse aufmerksam machte. In den umliegenden Häusern waren bereits Lichter in den Fenstern zu erkennen und sicherlich würde es nicht mehr lange dauern bis die ersten Dorfbewohner zu diesem Unheimlichen Tatort kamen.

Ms. Kelly und Ms. Lockhardt waren so geistesgegenwärtig und begaben sich auf die Straße um Rosenblatt zur Ruhe und zurück in den Pub zu bringen, was ich für eine kluge Entscheidung hielt, denn wer konnte wissen was er den Dorfbewohnern in diesem Zustand zu berichten wusste, waren mir doch seine Ausführungen wenn er nüchtern war bereits häufig rätselhaft. Mr. Wolf hatte indes etwas gefunden das sein Interesse auf sich zog. Inmitten des Blutes und anderer Überreste des verstorbenen fand er ein Buch das uns bekannter kaum sein konnte. Es handelte sich um eine Ausgabe von „Der Wanderer am See“. Nun lag es deutlich auf der Hand dass dies kein Zufall oder vielmehr ein Unfall gewesen sein konnte. Der Wirt musste sich mit dem Inhalt des Buches beschäftigt haben. Zudem konnten wir in dem Zimmer auch noch eine kleine Figur, zumindest wähnten wir es zuerst als eine Figur finden. Bei näherer Betrachtung erkannten wir dass es sich vielmehr um eine kleine Pfeife oder Flöte handelte die in ihrer Form eben jenen Kreaturen nachempfunden war, denen wir nun in den letzten beiden Tagen und für meinen Geschmack zu oft begegneten. Ungleich merkwürdiger war, dass diese Pfeife offenbar keinerlei Licht reflektierte und dass die Form, anders als bei allen anderen Gegenständen die Form nicht scharf abgegrenzt zu sein schien. Vielmehr war es als sähen wir nicht nur ein kleines schwarzes Objekt, sondern etwas das sich lediglich durch die Abwesenheit einer Lichtreflektion abzeichnete. Ich bin fürwahr kein Physiker und auch das Gebiet der Optik ist mir fremd, weshalb ich mir dieses Phänomen in keiner Weise erklären konnte. Wolf bot sich an die Pfeife wie auch das Buch an sich zu nehmen und vorerst zu verwahren, wofür ich diesem Mann sehr dankbar war. Allein der Gedanke an jene Objekte ließ mir einen Schauer den Rücken hinablaufen.

Nachdem wir uns vergewisserten dass nicht noch weitere merkwürdige Objekte oder Hinweise zu finden waren verließen wir den Raum wieder und ich schloss die Tür so gut es eben ging bevor wir in den Gastraum im Erdgeschoss gingen. Mittlerweile hatten sich tatsächlich mehrere Dorfbewohner eingefunden, denen natürlich das gewaltige Loch in der Außenmauer nicht entging. Einige fragten sich was denn geschehen sei und wir rangen um Ausreden. Zwei besonders tapfere Burschen wollten bereits nach oben gehen um nachzusehen was denn wohl geschehen sei, doch gelang es Wolf Ihnen glaubhaft zu machen dass es nicht zu ihrem Besten wäre wenn sie dies täten. Dies tat er so überzeugend dass die Burschen tatsächlich davon abließen und sich hinauskomplementieren ließen. Ich bat sie jedoch noch dafür zu sorgen dass man einen Constable aus London in dieses Dorf schicken lassen möge. Nachdem sich die größte Aufregung gelegt hatte und nun keine Dorfbewohner mehr im Gastraum waren, verriegelten wir die Tür von innen und entschieden uns dazu unseren Nachtschlaf bald fortzusetzen, wohlwissend dass es mehr als Ungewiss war ob jemand von uns überhaupt dazu in der Lage war. Die Damen unterrichteten wir selbstverständlich noch über das geschehene, so dass auch sie nun über das Schicksal des Wirtes im Bilde waren.

Ms. Kelly und Ms. Lockhardt gingen in das Zimmer von Rosenblatt, der sich bereits zurückgezogen hatte und befragten ihn erneut, da er immer wieder Anmerkungen von sich gab und überhaupt mehr zu wissen schien als es zuerst den Anschein machte. Rosenblatt schien sich nun etwas gefangen zu haben und berichtete uns mit zittriger Stimme, doch offenbar mit vom Alkohol gelöster Zunge, dass er vor geraumer Zeit eine ähnliche Kreatur, die den armen Jennings und nun auch Blair getötet hatte, begegnete. Es geschah wohl während einer Zugfahrt nach Prag die nach seinen Schilderungen nicht minder mysteriös und obskur verlief, wie es nun die Geschehnisse der letzten Tage waren und deren Zeuge wir wurden.

Am folgenden Morgen traf bereits der bestellte Constable im Dorf ein. Er wurde von einem Mann begleitet den er als Jerry S. Adams vorstellte und der ein Ermittler von Scotland Yard war. In Anbetracht der Geschehnisse verwunderte es nicht dass Scotland Yard in die Ermittlungen mit einbezogen wurde. Selbstverständlich konnten wir uns sogleich zum Kreise der Verdächtigen zählen, waren wir doch zur Zeit der letztnächtigen Ereignisse die einzigen anderen Anwesenden im Haus, wenn man von der Kreatur absehen mag, die den Armen Wirt auf dem Gewissen hatte. Selbstverständlich konnten wir von eben jenen Kreaturen nichts berichten, als der Constable und der Ermittler von Scotland Yard damit begannen uns zu verhören. Rosenblatt, der immer wieder eine beeindruckende Fachkunde im Bereich der Chemie bewies, begann den beiden Gentlemen gegenüber die Vermutung zu äußern dass der Wirt aus seiner Sicht möglicherweise mit einer Art Sprengstoff hantiert und experimentiert haben könnte. Dies würde aus seiner Fachkundigen Sicht das Loch in der Wand wie auch den Zustand der Überreste des Wirtes erklären könnte.

Offenbar gaben sich die Ermittler mit dieser Information erst einmal zufrieden und sie beendeten das Verhör mit der Aufnahme unserer Personalien und dem Hinweis, dass wir für die Dauer der Ermittlungen das Land nicht zu verlassen hatten. Danach verließen beide den Pub um nun die Dorfbewohner hinsichtlich der Ereignisse zu befragen. Dies gab uns die Gelegenheit noch einmal über das Geschehene zu sprechen und nun zog auch Wolf die kleine Pfeife aus der Tasche. Es fiel sofort auf, dass das Objekt auch am Tage keinerlei Licht reflektierte und sine Form eher durch die Abwesenheit desselbigen definierte.
Es dauerte nicht lange und die beiden Gentlemen kamen von ihren Befragungen zurück, die offenbar nicht all zulange andauerten Sie machten uns unmissverständlich klar dass der Pub nun als Tatort zu sehen sei und wir daher das Gebäude umgehend zu verlassen hätten. Wir folgten der Anweisung natürlich sofort nachdem wir unser Gepäck von unseren Zimmern geholt hatten. Wir entschlossen uns für unsere weiteren Nachforschungen zurück nach London zu fahren um dort etwas über die merkwürdige Pfeife herausfinden zu können. Da es jedoch bereits zu spät war um den Zug zurück nach London zu nehmen beschlossen wir uns eine Unterkunft für die Nacht zu suchen, wobei sich unsere Wege für den Rest dieses Tages trennten.

Ich selbst wusste nicht so recht wohin mit mir für die Nacht, weswegen ich mich dazu entschloss den nun leer stehenden Hof Jennings für die Nacht zu bewohnen. Ich hatte zudem die Hoffnung, dass wenn in der Nacht Licht in seinem Haus zu sehen war, es etwas länger dauern würde bis sein Ableben bemerkt würde und damit ein Zusammenhang zwischen seinem Tod und unserer Anwesenheit übersehen würde.

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08.02.2018 21:49
#6 RE: Geoffrey Price - Tagebuch antworten

04. November 1928

Nachdem ich doch noch ein paar geruhsame Stunden Schlaf finden konnte, machte ich mich am frühen Morgen wieder auf den Weg in das Dorf, wo ich mich alsbald mit meinen Gefährten am Bahnhof traf. Ms. Kelly berichtete uns, dass Sie für die Nacht eine Unterkunft bei einer Witwe fand und diese gar interessantes zu berichten wusste. So war der Wirt gar kein alteingesessener Einwohner des Dorfes, wie wir zuerst vermutet hatten. Vielmehr zog er selbst erst vor etwa zwei Jahren in das Dorf und übernahm zu diesem Zeitpunkt den Pub von seinem damaligen Besitzer. Mit dieser neuen Information glaubten wir eine Schlaufe aus dem Knäul der Verwirrungen, in dem wir uns befanden, lösen zu können. War der Wirt, der den Namen Dick Blair trug, gar einer der Vertrauten von Mr. Bacon der unter falschem Namen nahe der Monolithen und der unheilvollen Stätte blieb, die sich auf Jennings Hügel befand?

Wir fuhren also mit dem nächsten Zug zurück nach London und beschlossen Mr. Bacon mit einer von uns angefertigten Replik zur Herausgabe von ein paar neuen wertvollen Informationen zu verleiten. Da wir uns recht sicher waren dass Bacon einen Teil unserer Gruppe bereits kannte, einigten wir uns darauf dass wir zwar gemeinsam zu seinem Haus fuhren, aber nur je die ihm mit hoher Sicherheit unbekannt waren, mit der Replik der Pfeife besuchten. Die anderen sollten sich in der Nähe aufhalten, für den Fall das schnelle Hilfe von Nöten sein sollte. Rosenblatt gedachte, während die anderen und ich selbst zu Bacon fuhren, mit dem ehemaligen Butler der Familie Robby zu sprechen um etwas über den Mord an Alexanders Angehörigen in Erfahrung zu bringen.

So war es an Ms. Lockhardt und Mr. Wolf, die sich dem Anwesen Bacons näherte und sich als Kunstinteressierter ausgab, der auf die Expertise von Mr. Bacon zurückgreifen wolle um die Herkunft jener Replik, beziehungsweise dessen Originales, zu klären. Zuerst reagierte Bacon nicht auf das Klingeln und Klopfen, doch erst als Lockhardt und Wolf mit ein paar Worten sein Interesse weckte, öffnete Bacon die Tür. Ich konnte nicht hören was zwischen den dreien gesprochen wurde, da ich außer Hörweite blieb, doch konnte ich sehr gut erkennen dass Bacon die Replik kurz begutachtete und dann unvermittelt zu Boden warf und zertrat. Wild fluchend scheuchte er die beiden von seinem Grundstück und auch wir anderen, welche die Szenerie betrachteten, zogen uns langsam zu dem gemeinsamen vereinbarten Treffpunkt zurück.
Nachdem wir berichteten was sich bei Bacon zugetragen hatte, erzählte Rosenblatt von den Ausführungen des ehemaligen Butlers der Familie Robby. Dieser wusste noch, dass unmittelbar vor dem Mord an Alexanders Angehörigen ein merkwürdiger Pfiff zu hören gewesen sei, dessen Ursprung wohl nicht ausgemacht werden konnte. Dieser Pfiff stellt sich als mittlerweile beunruhigende Parallele und Gemeinsamkeit zu verschiedenen Vorkommnissen heraus. Die Vermutung, dass diese merkwürdige und auf rationale Weise nicht beschreibbare Pfeife damit in Zusammenhang stand, lag nahe. Doch wir wagten es nicht die Pfeife zu nutzen um herauszufinden was geschehen mochte. Bislang konnte dieses Pfeifen immer mit einem mysteriösen Todesfall in Verbindung gebracht werden.

Nach kurzer Beratschlagung entschieden wir nun auch Alexander, der noch immer in dem Sanatorium weilte, mit der Pfeife zu konfrontieren. Hatte Alexander die Pfeife möglicherweise selbst genutzt, wohl wissend oder unwissend was wohl geschehen würde? Oder sah er jemanden der die Pfeife nutzte? Nur er selbst würde uns diese Fragen beantworten können, so er denn für uns ansprechbar war. So gingen wir erneut zum Bahnhof und wählten den nächsten Zug der uns in den Ort nahe dem Sanatoriums bringen würde. Auf dem Weg zum Gleis erkannte ich jedoch Beunruhigendes. Ich registrierte dass uns ein Mann bereits eine Weile verfolgte. Auf meinen Verdacht hin ließ ich mir von Ms. Lockhardt bestätigen dass es sich eben um jenen Mann handelte, der Sie erst vor ein paar Tagen bedroht hatte. Rosenblatt, der nun ebenfalls sehr aufmerksam wurde, konnte erkennen dass der Mann von drei weiteren Gentlemen begleitet wurde, was uns in eine prekäre Situation zu bringen drohte. Die Männer sahen nicht aus als wäre es ihr Anliegen uns zu einer Tasse Earl Grey einzuladen. Wir bestiegen einen Waggon des Zuges der uns zu unserem Ziel bringen sollte und zu unserer Beunruhigung sahen wir, dass die vier Männer den Waggon hinter dem unseren bestiegen.

Nur kurz diskutierten wir ob wir denn die Männer direkt und ohne Umschweife konfrontieren sollten, doch entschieden uns vorerst dagegen. Nur eine kurze Zeit nachdem sich der Zug in Bewegung gesetzt hatte, konnte Rosenblatt erkennen dass die drei Begleiter des Ms. Lockhardt bekannten Mannes aufstanden und in Richtung unseres Abteiles kamen. Wir vermuteten das Schlimmste und begannen unsere Mitreisenden, mit denen wir den Waggon teilten, in den nächsten Waggon in Richtung der Lokomotive zu treiben um sie zumindest einigermaßen in Sicherheit zu wissen.

Ich war sehr froh, dass ich mein Gewehr mit mir führte und nahm es sogleich aus seiner Tasche, überprüfte die Munition und entsicherte es. Schnell suchte ich mir Deckung hinter der Lehne einer der Sitzbänke und legte den Lauf auf den vordersten der Schurken, die sich nun dran machten zu unserem Waggon hinüberzuwechseln, an. Ich schoss und traf den Mann schwer in die Schulter, doch riss er sich lediglich herum und fiel nicht, so wie ich es mir erhofft hatte. Nun war auch sichtbar dass er und seine Begleiter ebenfalls bewaffnet waren. Ein hitziges Feuergefecht entbrannte zwischen den beiden Waggons und die Schreie der Mitreisenden mischte sich in die kurzen Lücken die zwischen den Schüssen entstanden. Ms. Kelly verließ unseren Waggon hastig in Richtung der Lokomotive während Ms. Lockhardt, soweit ich erkennen konnte, einen für ihre Statur ungewöhnlich großen Revolver hob und unseren Gegnern damit schwer zusetzte. Wolf hielt sich in Deckung und Rosenblatt konnte ich nur kurz erkennen, als er in Gepäckstücken nach etwas suchte doch verlor ich ihn gleich wieder aus dem Blick.

Nach mehreren Schusswechseln spüre ich wie ich etwas nach hinten riss und ein heftiger Schmerz meine linke Schulter durchfuhr. Meine Erfahrung verriet mir schnell dass ich in die Schulter getroffen wurde und die Schmerzen drohten mich zu betäuben. Durch das laute Pochen das mir der Schmerz und mein Herzschlag in meinem Ohr verursachten konnte ich Ms. Lockhardt aufschreien hören. Der Schmerz trieb mir die Tränen in die Augen, doch konnte ich verschwommen erkennen wie sie offenbar ebenfalls zu Boden ging. Ich wollte gerade meine Zähne zusammenbeißen und mich zu Ihr robben um Ihr Schutz zu bieten, als aus dem hinteren Waggonteil sich eine Explosion ereignete, die den gesamten hinteren Teil des Waggons in Flammen setzte. Verschwommen konnte ich noch erkennen dass wir wohl unsere Angreifer niedergestreckt hatten und sich der hintere Waggon von dem unseren entfernte. Offenbar wurde er abgekoppelt und blieb nun immer weiter zurück.

Erleichtert ließ ich mich neben Ms. Lockhardt zu Boden fallen und es dauerte nicht lange bis mich die Schwärze der Bewusstlosigkeit umfing.

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