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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Zwischenspiel-Archiv
Yamira Offline




Beiträge: 1.227

14.11.2013 09:01
Zwischenspiele Yamira -> Borbra Thread geschlossen

5. Tsa 1011 BF

Mherwed -> Anchopal - wird ein wenig ausgespielt, deshalb erst ab Anchopal


Als wir in Anchopal ankommen, suche ich mir eine Herberge, esse und trinke nochmals tüchtig und verabschiede mich von Kaldrim und Ardo. Danach mache ich mich auf den Weg zum Rondratempel.

Ich betrete die Tempelhalle der Rondrakirche durch den üblichen Seiteneingang, wasche mir Hände und Gesicht in der dazu vorgesehenen Wasserschale, schreite langsam Richtung Mitte und gehe auf die Knie. Ruhig betrachte ich die Glut des Glutbeckens, die Wandbilder vergangener Schlachten und ich schließe die Augen und beginne zu beten…

Göttin Rondra, ich möchte um deine Vergebung bitten. Ich habe dir lange den Rücken zugekehrt, weil ich mich von dir verlassen fühlte. Du hast zugelassen, dass alles was ich liebte mir genommen wurde. Du hast meine Mutter zu dir geholt und die Männer die ich liebte. Allesamt gute Kämpfer. Du hast mich geschwächt, als ich den Arm verlor und doch hast du mich nicht zu dir geholt, sondern hast mir die Kraft gegeben meine alte Kampfesstärke wieder zu erlangen. Du hast mir in Al Anfa zur Seite gestanden und doch kam ich mir betrogen vor in Maraskan. So viele gute Menschen wurden sinnlos abgeschlachtet auf der Insel, dass ich einfach nicht glauben konnte, dass du mich so schreckliche Qualen erleiden lässt. Ich selbst habe ehrlose Söldner getötet und zweifelte mehr denn je an deiner Göttlichkeit. Doch wenn ich darüber nachdenke hätte dein Sohn seine wahre Freude daran gehabt. Ich glaubte an Wiedergeburt, weil ich Trost darin fand, doch wie konnte ich nur so an dir zweifeln. Wir haben Schreckliches erlebt und doch knie ich hier demütig vor dir und bin am Leben. Du legtest mir schwere Prüfungen auf, die ich nicht verstand und doch schicktest du mir einen deiner Getreuen um mir die Augen zu öffnen. Ich habe deine Macht gespürt an den Hängen des Wal-el-Khômchra und ich sah wie du deine schützende Hand über Ardo hieltest.
Liskom ist zurück, was die Götter sicherlich erzürnt und wenn er es schafft den Dämonenmeister zurückzuholen, so werden die Götter uns führen ihm wieder Einhalt zu gebieten. Nun weiß ich warum ich noch auf Dere gebraucht werde. Deine Prüfungen waren hart, aber sie stählten mich. Mein Kummer und Leid war groß, doch du hast mich wieder zu dir geführt, damit ich meinen Glauben wieder finde. Vergebe mir meine Zweifel und führe mich weiterhin unter deinem Schutz. Wie konnte ich nur so blind sein und nicht erkennen, dass du mich immer beschützt hast. Vergebt mir, oh große Leuin.


Tränen laufen über meine Wangen, doch ich schäme mich ihnen nicht. Vier Jahre voller Angst, Verzweiflung und Glaubenskrisen fallen von mir ab und ich ziehe den maraskanischen Dolch aus meinem Stiefel und lege ihn in eine der Opferschalen.

Dieser Dolch ist ein Teil meiner Vergangenheit, dieser Dolch ist ein Teil meiner Liebe zu einem Mann dessen Tod mir viel Schmerz bereitet hat, dieser Dolch ist aber auch eine Waffe der Hinterlistigen, doch ich vertraue nun auf deinen Schutz und solltest du mich eher zu dir holen, so sei es mir eine Ehre.

Ich knie wieder nieder und verbringe die ganze Nacht im Gebet ohne Essen und Trinken.

Meine Herrin!
Dir will ich gehören ganz und gar, vor Dir senke ich Schild und Waffe, in Deine
Hände gebe ich mein Leben und opfere Dir alles, was ich heute und mein ganzes
noch übriges Leben Gutes tun und Widerwärtiges erleiden werde. Dies alles soll
geschehen zu Deiner Ehre.
Zugleich widersage ich von neuem dem namenlosen Feinde und
allen seinen Werken, und will Dich freiwillig mit keiner Schande beleidigen.
Segne aber, o Herrin, diesen meinen Vorsatz, damit ich ihn treu erfülle, und gib
mir Kraft, dass ich heute und mein künftiges Leben nicht in die Fehler
zurückfalle, zu welchen mich meine Neigungen und Gewohnheiten so oft verleitet
haben.
Dein Wille sei mein Befehl

Heilige, geliebte Frau Rondra, strahlende Göttin,
gib mir Mut und Kraft, Mut und Kraft der Leuin,
damit Deine Macht in meinem Herzen lebt.
Heilige, geliebte Herrin Rondra, strahlende Göttin,
schenk mir Deinen zornigen Blick, den Blick der Leuin,
damit Dein Zorn aus meinen Augen schaut.
Heilige, geliebte Frau Rondra, strahlende Göttin,
gewähr mir Deine Liebe, die Liebe der Löwin,
damit ich nicht fehlgehe und Deinem Weg folge.
Denn Dein sind mein Schwert und mein Leben,
solange mein Herz schlägt.
Sei mit mir, Strahlende, damit einst der Ruf an Deine Tafel mich ereilen mag.


Als der Morgen dämmert und ich die Schmerzen in meinen Knien schon nicht mehr spüre, versuche ich mich aufzurappeln. Nach einiger Zeit, nachdem das Blut wieder in meine Füsse zurückkehrt ist, verlasse ich den Tempel und begebe mich wieder auf die Straße nach Süden. Ich werde nach Borbra gehen und Augen und Ohren offen halten. Ich werde Tarlisin um Hilfe und Arbeit bitten und mir ein Haus bauen. Auf dass ich das Erlebte nicht vergesse mit der Gor im Rücken und die Schönheit des Südens geniesse mit dem glitzernden Mhanadi im Sonnenlicht vor mir. Ein Lächeln drängt sich mir auf und ich marschiere mit Hoffnung im Herzen nach Süden.

Yamira Offline




Beiträge: 1.227

14.11.2013 09:05
#2 Zwischenspiele Yamira -> Borbra Thread geschlossen

13. Tsa 1011 BF

Der Abend dämmert bereits, als ich Borbra erreiche. Das Dorf ist gewachsen und viele der außen stehenden Häuser sind noch unfertig. Doch im Dorfinneren leuchten schon die Öllampen hinter den Fenstern und das letzte Sonnenlicht wirft lange Schatten. Vor dem Gasthaus stehen vier Pferde. Ich sehe von Weitem, wie einige Menschen eilig das Gasthaus verlassen und in ihre Häuser laufen und dann höre ich die verzweifelten Schreie einer Frau. Ich ziehe meinen Nachtwind und stürme in den Schankraum. Ein hässliches Bild erschließt sich meinen Augen. Ein fast kahlköpfiger Mann mit Schürze, offensichtlich der Wirt, liegt am Boden und ein kleines Blutrinnsal verlässt seine Schläfe, während eine junge Frau schreiend von drei Männern auf einem Tisch festgehalten wird, während der vierte an seiner Hose rumnestelt. Die vier Söldner sind absolut betrunken, haben aber keine Mühe das Mädchen im Zaum zu halten. Einer der drei schlägt ihr gerade wütend ins Gesicht, als mein Schwertknauf direkt auf sein Nasenbein donnert. Während er mit einem Aufschrei blutend zu Boden geht, starren mich die anderen verdutzt an, doch ehe sie sich bewusst werden, dass sie tatsächlich angegriffen werden, trete ich dem Schwein, das mit halbgeöffneter Hose da steht, mitten ins Gemächt und auch dieser geht wimmernd zu Boden. Die beiden anderen lassen die Frau los, die schnell ihre Kleidung zusammenrafft und nach oben rennt. Eine Tür fällt zu und ein Riegel wird vorgeschoben. Die beiden heruntergekommen Söldner ziehen ihre Schwerter und schauen sich an, noch unsicher ob sie angreifen oder abhauen sollen, aber ich mache es ihnen einfach. „Bei Rondra ! Wagt es nicht euch zu wehren! Nehmt eure beiden Kumpanen und verschwindet, wenn euch euer Leben lieb ist! Und lasst euch hier nie wieder blicken! “ Der Hass und Zorn, der in meiner Stimme liegt, mein glühender Blick und die Selbstsicherheit mit der ich mit meiner Waffe drohend vor Ihnen stehe, scheint den beiden Trunkenbolden Angst einzuflößen. Sie zerren ihre beiden besoffenen Kumpanen nach draußen und kurz danach hört man das Getrappel der Pferdehufe, welches sich entfernt. Ich stecke meine Waffe weg und beuge mich zum Wirt, er ist nur ohnmächtig. Als ich seine Wunde säubere kommt er zu sich. „Manila“ sagt er nur leise und ich beruhige ihn, dass es ihr gut geht. Ich gehe nach oben und rufe dem Mädchen zu, dass es vorbei ist, doch nichts rührt sich.

Ich frage den Wirt wo ich Tarlisin finden kann, doch er sagt mir, dass er erst in zwei Tagen zurück erwartet wird. Ich bekomme zum Dank selbstverständlich ein Zimmer und Verpflegung. Ahmed weiß gar nicht wie er mir danken soll, erzählt mir aber, dass es schon öfters Probleme gab mit reisendem Gesindel. Doch im Dorf sei niemand, der sie beschützen könne, sondern es seien einfache Siedler, Handwerker und Bauern. Ich erzähle ihm von meinen Plänen und ein Strahlen erobert sein Gesicht. Tarlisin hätte sicher nichts dagegen und solange mein Haus nicht fertig wäre, könne ich selbstverständlich bei ihm im Gasthaus wohnen. Ich lächele und in Gedanken danke ich Rondra für ihre Fügung. Am nächsten Morgen macht mir Manila das Frühstück. Ihre linke Gesichtshälfte ziert eine blau-grüne Schwellung und auch ihre Arme sind übersät mit Blutergüssen, aber es geht ihr gut. Die Vorkommnisse des Abends sprechen sich schnell rum im Dorf und jeder ist beeindruckt von mir und meiner Waffe und man begegnet mir mit überschwänglicher Freundlichkeit.

Zwei Tage später sitze ich abends am Ufer des Mhanadi, starre auf das glitzernde Wasser in dem sich das letzte Sonnenlicht spiegelt und warte darauf im Westen die Sonne hinterm Khoram-Gebirge untergehen zu sehen. Ein wunderschönes Fleckchen Dere. Die Schafe blöken nicht weit weg und die Vögel zwitschern der Abendsonne nach. Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter und springe erschreckt auf, den Nachtwind schneller in der Hand als der Gegenüber erwartet hätte, und Tarlisin von Borbra steht vor mir. Ich lasse meine Waffe sinken und sage nur warnend “Ihr solltet euch nicht so von hinten anschleichen, werter Magister, so etwas kann euch das Leben kosten!“ Er lächelt mich entwaffnend an. „Das wird nicht passieren, denn ich stehe unter dem Schutz von Tsa. Wie ich hörte, verdanken wir dir einiges. Wie ist dein Name?“
Verzeiht, Yamira saba Shanya al Kira, Kämpferin aus Zorgan, Rondra zum Gruße“ anworte ich, das erste mal seit Jahren nicht ohne Stolz und nicke ihm zum Gruß.
Sagt was führt euch nach Borbra? Wie ich hörte wollt ihr euch hier niederlassen?“ ist nur seine Antwort und ich erzähle ihm, dass ich keine Heimat mehr habe, außer einer helfenden Hand und meiner Kampfkraft nichts besitze und bitte ihn, hier ein neues Zuhause schaffen zu dürfen. Als Gegenleistung würde ich für Gerechtigkeit und Ruhe sorgen und meine Hilfe jederzeit jedermann zukommen lassen, sei es Ackerbau, Hausbau oder Viehzucht. Als er mich fragt warum ausgerechnet hier, erzähle ich ihm von unserer Durchreise, dass mich seine Großzügigkeit und der Ort beeindruckt hätte und ich selbst jede Hilfe brauchen kann, da ich weder Familie noch eine Heimstatt besitze.

Tarlisin überlegt kurz und schlägt ein. Ich könne mich hier niederlassen, als Gegenleistung für Recht und Ordnung und mithelfen ein blühendes Dorf entstehen zu lassen. Die Siedler sind begeistert und geben mir jegliche Unterstützung.
Ahmed versorgt mich, als wäre ich seine zweite Tochter und ich freunde mich mit Manila an, die nur ein paar Jahre jünger ist als ich. Ihre Mutter sei gestorben, als sie noch klein war und so verbindet uns beide irgendwie das Schicksal. Oft sitzen wir zusammen und erzählen uns von unseren Müttern. Während Manila jedoch kaum noch etwas von ihrer weiß, erzähle ich ihr vieles von der Miralay der Tigergarde von Zorgan, meiner prachtvollen Mutter, die ebenso hart wie liebevoll war und in Gedanken bin ich ihr heute noch dankbar, denn einiges meiner Zähigkeit habe ich ihr zu verdanken. Manchmal mache ich mir Gedanken ob ich jemals auf Ishar saba Karimah treffe und was ich dann tun werde. Meinen Namen würde man in Zorgan noch kennen, doch ansonsten hält man mich für tot.
Ich erzähle Manila im Vertrauen vom Tod meiner Mutter und das darauf Folgende. Sie ist erstaunt, dass ich nach Al Anfa noch am Leben bin. Doch die Erlebnisse vom Reichsforst bis hierher verschweige ich ihr!

Ein halbes Jahr später besitze ich ein kleines Häuschen, nichts Besonderes, nur aus gelbem Lehm mit einem Flachdach, aber es ist meins. Die Fenster sind mit Matten aus Palmenbast behängt gegen Ungeziefer und Hitze. Die Wände sind teilweise mit Teppichen behängt und es besteht nur aus einem großen Raum. Abends sitzen wir oft zusammen vor unseren Häusern, trinken Scherbet und knabbern Datteln und Feigen und ich kann es kaum glauben wieder eine Heimat gefunden zu haben. Es fehlt mir an nichts, vieles wird getauscht und ich werde gut bezahlt für meine Dienste, die des Öfteren gebraucht werden. Sei es gegen auswärtiges Gesindel, dass sich nicht zu benehmen weiß, oder Nachbarschaftsstreits. Ich richte unbarmherzig, aber gerecht und rondragefällig. Tarlisin ist froh, sich um solche Dinge nicht auch noch kümmern zu müssen. Oft weilt er gar nicht vor Ort, sondern ist auf Reisen und ich genieße sein volles Vertrauen.

Doch trotz der Gesprächigkeit aller Leute hier - besondere Neuigkeiten, die Liscom betreffen gibt es keine. Keine neuen Unruhen irgendwo im Süden. Nur im Norden tut sich einiges. Ich denke oft ans Vergangene, und irgendwie warte ich darauf, dass sich wieder etwas tut. Ich warte darauf, dass Rondra mir die nächste Prüfung auferlegt. Ich lebte jahrelang im Kampf, sei es für mich oder für andere. Diese idyllische Stille und Schönheit dieses Ortes ist fast schon erdrückend und so unfassbar für mich, dass ich schon darauf warte ins nächste Unglück zu stürzen. Doch je länger ich hier lebe, stellt sich auch eine Art Glückseligkeit bei mir ein und ich bin zufrieden. Da Anchopal nicht weit weg ist, gehe ich einmal im Monat in den Rondratempel zum beten und ich ertappe mich dabei, wie ich unauffällig suchend die Geweihtenschaft begutachte, ob Ardo zufällig unter ihnen ist. Doch er wird sicher im Norden gebraucht, denn im Mittelreich sind viele Unruhen. Ich werde über die Jahre hinweg ruhiger und gelassener, meine ständige Angespanntheit fällt ab und ich beginne das Leben zu genießen. Doch vergessen werde ich Liscom nicht, dazu brauche ich nur nach Osten zu schauen und erblicke das Hochplateau der Gorischen Wüste um mir alles wieder vor Augen zu führen. Genau DESHALB Borbra ! Aus diesem Grund bin ich hier und harre der Dinge die kommen mögen.

[ Editiert von Administrator Yamira am 25.11.13 12:13 ]

Yamira Offline




Beiträge: 1.227

18.11.2013 16:35
#3 Zwischenspiele Yamira - >Borbra Thread geschlossen

1011 - 1014 BF

Im Laufe der Jahre erarbeite ich mir all meine Dinge zurück, die mich damals zu dem gemacht haben, was ich eigentlich mal war. Eine Soldatin Zorgans. Die Tochter der Miralay und ich wäre eine würdige Nachfolgerin geworden, dessen bin ich mir sicher.
Ich bin innerlich verwundet, doch nicht gebrochen und Rondra gab mir die Kraft mich wieder zu finden. Meinen Nachtwind habe ich teuer verkauft, ein Stück Vergangenheit hinter mir gelassen und es war keine wirklich rondragefällige Waffe. Nun trage ich wieder einen Khunchomer, der lose in meinem Gürteltuch steckt. Meine Haare sind ungeflochten, glatt und glänzend schwarz. Ich habe eine schicke Tuchrüstung und sogar einen Baburiner Hut, doch den habe ich selten auf und wenn, dann meist mit meinem Turban umwickelt. Sogar ein wenig Schmuck konnte ich mir in Anchopal erwerben. Ich trage wieder ein Fußkettchen und sogar ein kleines Schmucksteinchen im Bauchnabel.
Ich brauche das alles nicht wirklich, doch es macht mir Freude wieder unter Tulamiden zu sein, auch wenn das Patriarchat hier an der Vormacht ist, so ist es in Borbra doch bei Weitem dank Tarlisin nicht so schlimm. Ich wäre nur froh, ich könnte wieder nach Zorgan ohne geächtet zu sein, da weiß das Volk wenigstens wie man Frauen mit Respekt behandelt. Aber hier vor Ort kann ich mich nicht beschweren, man begegnet mir mit sehr viel Respekt. Anders als in Mherwed unter den Novadis.

Das Einzige was mir jetzt noch fehlt ist ein Pferd, doch weder habe ich das Geld dazu, noch einen Gönner. Wer weiß, ob ich das Versprechen, das ich damals Ardo gegeben habe je halten kann. Ich werde noch einige Zeit sparen müssen, um mir ein annehmbares Pferd zu leisten. Doch ehe ich auf einem Esel daherreite, laufe ich lieber zu Fuß.

Meine Narben verblassen immer mehr, doch sind sie für mich auch Symbole der Vergangenheit, die wie ein dunkler Schatten hinter mir liegt. Doch ich schaue nun nach vorne, meinem Schicksal entgegen und warte darauf, dass mir die Götter meinen Weg offenbaren. Ich habe mich endlich angenommen, gezeichnet von den letzten acht Jahren, der Armstumpf hat aufgehört zu schmerzen, die Narben der Arenen sind verblasst und mein Herz hat aufgehört zu wehklagen, sondern ist bereit für die Zukunft, was immer sie auch bringen mag. Ab und an denke ich zurück an Ragnar, Kaldrim und Ardo, doch ob ich sie je wiedersehen werde, bezweifel ich.

[ Editiert von Administrator Yamira am 19.11.13 6:28 ]

Yamira Offline




Beiträge: 1.227

20.11.2013 18:37
#4 Zwischenspiele Yamira -> Borbra Thread geschlossen

30. Tsa 1015 BF

Borbra feiert ein großes Fest zu Ehren von Tsa. Tarlisin hat eine große Feier organisiert zum Tag der Erneuerung. Sein Baum ist prachtvoll geschmückt und es gibt allerhand Essen und Trinken, Musik und Tanz und wir feiern ausgelassen in die Nacht hinein. Tarlisin umgarnt mich angetrunken, doch wie immer weise ich seine charmante Ader dezent zurück. Manila kommt angelaufen und ist leicht blass. „Ein Bote möchte dich sprechen, persönlich!“ flüstert sie mir ins Ohr und ich begebe mich mit ihr zum Gasthaus. ‚Sie haben es herausgefunden‘ denke ich verwirrt, ‚Sie wissen dass ich noch lebe, wie haben sie das in Zorgan nur erfahren? Oder ist es nach alle den Jahren tatsächlich eine Botschaft von Ardo, Kaldrim oder Ragnar?‘ Gedankenversunken schreite ich auf die Schänke zu. „Sie werden dich doch nicht von hier wegholen, oder?“, fragt Manila angstvoll, doch ich beruhige sie, dass ich nirgendwohin gehen werde.

Ein verschwitzter Warunker , mit einer Wappendecke mit dem geflügelten B der Beilunker Botenreiter, steht rechts an der Tränke und ich betrete den Schankraum. Ich sehe einen Mann vor dem Tresen stehen, der eilig einen Krug leert.
„Manila kümmer dich bitte um das Pferd, sei so lieb“, sage ich zu ihr und wende mich dem Boten zu. „Ihr wolltet mich sprechen?“
„Praios zum Gruße“ sagt er freundlich und übergibt mir ein Pergament. Es ist versiegelt mit dem Zeichen der Praioskirche und ich schaue ihn verdutzt an.
„Wartet hier“, bitte ich ihn und sage beim Weggehen noch über meine Schulter „und bestellt euch was zu Essen, es kostet euch selbstverständlich nichts, wir feiern heute ein Fest zum Tag der Erneuerung. Feiert mit uns, bis ich wiederkomme.“

Ich begebe mich zu meinem Haus und zünde eine Öllampe an. Die Geräusche des Fests schließe ich aus meinen Gedanken aus, setze mich auf den Boden vor die Lampe und öffne das Siegel. Langsam lese ich die Zeilen und beginne zu begreifen. Ich lese sie wieder und wieder. Dann hole ich ein Pergament und meine Feder und schreibe zurück „Rondra zum Gruße! Ich werde da sein! Hochachtungsvoll Yamira saba Shanya al Kira“ Ich versiegel das Dokument ebenso, jedoch ohne Siegelzeichen und gehe zurück zum Gasthaus. Ich gebe mein Dokument an den Boten und bitte ihn meine Antwort zu überbringen.


Am nächsten Tag macht sich der Bote bereits auf den Heimweg, während ich Tarlisin aufsuche. Wie immer finde ich ihn nach seinen Eskapaden am Flussufer mit einem kühlen feuchten Tuch auf der Stirn. Er schaut mich erwartungsvoll an, als er meinen ernsten Gesichtsausdruck sieht. Ich setze mich zu ihm ins Gras und zeige ihm den Brief, den ich erhalten habe.
Stillschweigend warte ich auf seine Reaktion, während er den Brief liest. „Was ist in Selem passiert, wenn ich fragen darf? Wenn die Praioskirche UND die Inquisition an euch derart interessiert ist !?“ fragt er ruhig und ich antworte ihm wahrheitsgetreu und ziehe ihn mit ins Vertrauen. Er ist entsetzt und verspricht selbstverständlich Stillschweigen zu bewahren. Er schaut auf den Brief und murmelt „23. Ingerimm, das sind nicht mal mehr drei Monde. Wir müssen Vorbereitungen treffen.“ Ich nicke dankbar und wir besprechen wie es weiter gehen soll. Ich wusste, dass der Tag kommen wird und doch habe ich es erfolgreich verdrängt.
Auf mein Haus wird Manila achten. Sollte ich nicht wiederkehren, so soll es ihr gehören. Meine Stelle als, sagen wir mal Dorfbüttel, soll Murat übernehmen. Rüstung und Waffen habe ich beisammen. Ich soll noch eine Woche warten bevor ich aufbreche, fordert Tarlisin und am nächsten Morgen ist er verschwunden.


Nach fünf Tagen taucht er wieder auf mit einer bepackten, wunderschönen Nebelschimmelstute am Zügel und reitet auf mein Haus zu. Als ich ihm die Tür öffne, traue ich meinen Augen kaum.
„Wir können dich doch nicht den weiten Weg zu Fuß gehen lassen, Yamira. Nach allem was du für uns, das Dorf und auch für mich getan hast ! Sie heißt Soraya“
Ich falle ihm vor lauter Freude um den Hals und wir lachen und weinen beide. Er ist mir in all den Jahren ein echter Freund geworden. Tarlisin hat für alles gesorgt. Wolldecke, Trinkschläuche, Proviant, und auch alles was ich für Soraya benötige, alles in Satteltaschen verstaut. Als ich mich von allen verabschiede kommt Ahmed mit Manila auf mich zu mit einem eingewickelten langen Gegenstand. „Wir haben alle zusammengelegt“ sagt er und reicht mir das eingewickelte Paket. Manila hat rotgeweinte Augen und kann sich auch jetzt kaum zurückhalten, doch sie lächelt auffordernd. Als ich es öffne, finde ich eine Dschadra darin. Bunte Bänder flattern um den Speerschaft und ich weiß nicht was ich vor lauter Dankbarkeit sagen soll. Das ganze Dorf ist zusammengekommen und wünscht mir den Segen der Zwölfe. Es gibt Abschiedstränen und viele Umarmungen, bis ich endlich auf meiner Stute sitze und davon reite. Die Kinder rennen mir noch eine Weile nach bis sie nur noch winkend da stehen und ich kehre meinem Zuhause den Rücken zu. Vier Jahre sind vergangen seit ich hierher kam, eine lange Zeit um Wurzeln schlagen. Ich streiche Soraya über den Hals und bin guten Mutes mich, dem was uns erwartet, zu stellen. ‚Ich werde euch alle wiedersehen, das verspreche ich euch‘, denke ich mir und mit einem leichten Schenkeldruck falle ich in langsamen Trab nach Norden. ..

Yamira Offline




Beiträge: 1.227

25.05.2014 13:56
#5  Zwischenspiele Yamira -> Borbra Thread geschlossen

28. Tsa 1016 BF

Ich reite gemächlich auf Borbra zu.
Genau vor einem Jahr bin ich losgezogen und komme als alte Frau zurück.
Noch zwei Tage bis zum großen Tsafest.
Ich reite zielstrebig auf mein Haus zu, was in gutem Zustand zu sein scheint und werde misstrauisch beäugt. Manila kommt aus der Tür und schaut mich skeptisch an. Doch sie erkennt das Pferd und starrt mich ungläubig an. Stammelnd kommt sie auf mich zu und umarmt mich heftig, als ich abgestiegen bin. Tränen laufen ihr über die Wangen und ich muss sie erst einmal beruhigen. Meine Freunde sind entsetzt über mein Aussehen und es fällt mir nicht leicht ihnen eine einfache Erklärung zu geben, ohne seine Rückkehr zu erwähnen. Ich erzähle ihnen von einer Mission gegen einen bösen Magus, der die Zeit manipulieren konnte, doch von Borbarad sage ich nichts. Ich ziehe wieder in mein Haus ein und genieße die wohlige Wärme des Südens trotz der Jahreszeit. Endlich weg aus dem verschneiten Weiden.

Der Aufbau der Stadt geht gut voran und Tarlisin freut sich mich zu sehen. Nachdem ich ihm alles Geschehene erzählt habe, will er sogar umgehend seinen Orden informieren. Er will sogar mit einem Schreiber des Aventurischen Boten ein Gespräch und eine Anzeige aufgeben, um den Orden der Grauen Stäbe zu verstärken im Kampf gegen die Bedrohung und Verführung durch schwarze Magie. Ich bin erstaunt, dass er sofort alle Hebel in Bewegung setzen will, hoffe aber, dass er nun nicht zu viel Aufsehen erregt.
Wir sprechen auch lange darüber, ob ich den Grauen Stäben beitreten soll, doch wir einigen uns darauf, dass wir uns inoffiziell helfen. Ich werde ihn weiterhin auf dem Laufenden halten und er informiert mich, wenn seltsame magische Umtriebe irgendwo auffallen.

Plötzlich wird Tarlisin sehr ernst. Vor einigen Wochen seien hier einige Aranierinnen gewesen. Alle zu Pferd und schwer gerüstet mit einem Tigersymbol auf dem Banner. Eine der Frauen habe eine große Narbe auf der Wange gehabt. Sie haben eindringlich nach mir gefragt und sie hätten gehört ich solle hier leben. Tarlisin war das nicht ganz geheuer und er hat ihnen gesagt, dass er mich noch nie gesehen habe. Man habe ihm sogar Gold angeboten, wenn er wüsste wo ich sei. Tarlisin hat sie dann fort gejagt. Ich danke ihm vielmals und ziehe mich zurück.

Ishar saba Karimah, hast du mich also doch noch gefunden. Wenn du mich jagst, so soll es so sein, wir werden uns wiedersehen, doch dann wird es das letzte Mal sein, das verspreche ich dir !
Kalter Hass steigt in mir auf und ich sehe ihr hämisches Gesicht, als sie triumphierend meiner Mutter den Kopf abschlägt, während mir die Tränen in die Augen steigen.
Bei Rondra und ihrem Sohn Kor, ich werde dich töten, sei dir dessen gewiss !


Nach ein paar Tagen daheim, in denen ich mich wahrlich von allem Erlebten erhole, erreicht mich ein Bote mit einem Brief von Ragnar. Ardo wurde in Rhodenstein festgesetzt, wegen der Freilassung des Erzvampirs. Wenn Rondra ihren Streiter wirklich liebt, so wird sie ihm Gnade gewähren und sie werden ihn wieder freilassen. Ich kann ihm von hier aus keine Hilfe sein. Es liegt in den Händen der Götter was sie entscheiden werden, doch bitte ich sie darum ihn zu verschonen.


Eines Abends sitze ich bei Manila in der Gaststube und denke über vergangene Dinge nach. Ob Ardo mittlerweile freigelassen wurde, wie es Ragnar und Kaldrim wohl geht. Gedankenverloren starre ich auf das alte Gemälde, das mir genau gegenüber hängt. Es zeigt eine Karawane, die durch die Wüste Khom zieht, während dort die Praiosscheibe langsam untergeht. Ein faszinierendes Bild, denn es hat die Weite der Wüste perfekt eingefangen und mir ist diese Weite nur zu gut bekannt. Ich trinke noch einen Schluck Dattelwein, doch als ich wieder aufblicke, hat sich das Bild leicht verändert. Die Karawane hat sich weiter entfernt, der Sand bewegt sich im Wind der Wüste und ich sehe einige Khomgeier in der Ferne kreisen. Dann verschwimmt die Szene vor meinen Augen. Farben ändern sich und es entsteht ein völlig neues Bild. Ich erkenne eine belebte Straße einer Stadt. Die Bauten sind keinesfalls tulamidisch, sondern eher mittelreichisch.
Diese Stadt befindet sich scheinbar im Wiederaufbau. Es sind viele Handwerker zu sehen, die an den zahlreichen Häusern Reparaturen vornehmen.
Dann erscheint plötzlich eine Gruppe Mönche auf der Strasse. Sie haben alle rotbraune Kutten an und gehen langsam und gebeugt. Dann tritt einer von ihnen vor und blickt mir direkt in die Augen. Er winkt mir zu und spricht dann mit einer tiefen Stimme:"Du wirst hier gebraucht!". Dann verschwindet die Szene wieder und zeigt nach einiger Zeit wieder das altbekannte Bild mit der Wüste und den Kamelen.

Ungläubig trete ich auf das Bild zu. Kein anderer in der Schänke scheint diese Veränderung bemerkt zu haben. Als ich auf eine Plakette am unteren Rand des Bildes schaue, auf der normalerweise der Titel des Bildes steht, sehe ich dort das Wort "Greifenfurt", bevor auch das verschwindet und in tulamidischer Schrift den richtigen Titel des Bildes zeigt "Wind in der Wüste"
Ich frage Ahmed, woher er dieses Bild hat, doch er meint nur, das habe er vor langer Zeit von einem mherweder Händler erstanden.

Die Götter weisen mir meinen Weg.... Am nächsten Morgen beginne ich mit meinen Reisevorbereitungen. Manila ist außer sich vor Sorge, dass ich schon wieder gehe, doch ich verbringe den Abend mit ihr am Flussufer und mache ihr klar, dass es immer so sein wird. So oft ich kann, werde ich hier verweilen, doch mein Schicksal ist ein anderes und sie wird sich damit abfinden müssen, dass die Götter einen anderen Weg für mich bestimmt haben. In meinem Arm betrachtet sie mit mir den Sonnenuntergang und langsam trocknen ihre Tränen. Sie verspricht mir stark zu sein und für mich zu beten, doch die Angst in ihren Augen, sagt mir etwas anderes. Ich küsse Sie auf die Stirn und sage liebevoll:"Keine Angst, kleine Schwester, ich werde zurückkehren."

Kurz vor Sonnenaufgang, als ich gerade aufbrechen will, erreicht mich abermals ein Bote mit einer Nachricht von Ragnar. Er zieht ebenfalls nach Greifenfurt. Also werden wir sicherlich wieder alle gerufen. Die Hochelfe hatte Recht, unsere Schicksale sind gemeinsam verknüpft, unser Weg scheint ein gemeinsamer zu sein, den die Götter vorherbestimmt haben. Ich wende Borbra den Rücken zu, ungewiss ob ich jemals wiederkehre und wie immer wird mein Herz schwer. Ich werde in Anchopal Halt machen und eine Nacht im Tempel beten. Für mich, für uns, für Borbra. Soraya fällt in leichten Galopp und eine kleine Weile vergesse ich alle Sorgen und genieße den Wind in meinen Haaren und den Duft des Frühlings im Morgentau, während die Sonne aufgeht und ich erneut nach Norden reite.

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